Kraft tanken und neue Pläne für den Aufbau in Japan

Veröffentlicht auf von Jessi

Erdbeben, Tsunami, Atom-GAU - viele Deutsche in Japan haben nur noch einen Gedanken: Nichts wie weg.

 

Okinawa - "Wir sind erschöpft, aber okay", sagt Enrico Blischke nach der zweitägigen "Flucht" aus dem Großraum Tokio. Jetzt sind der gebürtige Eisenacher und seine Frau Akiko auf der japanischen Urlaubsinsel Okinawa. "Erst einmal bis zum 21. März, dann sehen wir weiter", meint der 38-Jährige. Zuvor waren sie schon in das 350 Kilometer südwestlich von Tokio gelegene Nagoya ausgewichen.

Ihr neues Quartier auf Okinawa liegt gut zweitausend Kilometer entfernt vom Unglücksort Fukushima. Zwei Tage lang dauerte die Flucht ins Ungewisse. Er habe auch bei der Botschaft angerufen und gefragt, "wie denn die Lage so ist, wo wir sicher sind und wie es mit Flügen nach Deutschland ausschaut." Die Antwort war für das deutsch-japanische Paar knapp und ernüchternd zugleich: "Sicher ist es auf Kyushu (südliche Hauptinsel Japans - d. Red.) - oder Okinawa." Und Flüge nach Deutschland gebe es, diese seien aber unheimlich teuer geworden. "So sind wir nach Okinawa geflogen und hoffen, dass wir bald wieder nach Hause zu können," erzählt der gebürtige Thüringer zuversichtlich.

Das Auswärtige Amt geht seit gestern davon aus, alle deutschen Staatsbürger ausfindig gemacht zu haben, die sich zu Beginn des Erdbebens im Katastrophengebiet in Japan aufgehalten haben, teilte ein Sprecher des Amtes mit. Bereits am Montag seien 34 Deutsche aus dem nordostjapanischen Sendai abgeholt und nach Tokio gebracht worden. Im Großraum Tokio-Yokohama hielten sich derzeit noch etwa 1000 Deutsche auf. Nach einer Empfehlung des Amtes sollten sich alle aus diesem Großraum zurückziehen und nach Osaka oder noch weiter entfernt hin ausweichen beziehungsweise über Osaka ausreisen.

Es hält die Menschen ohnehin nicht in der Hauptstadt: Viele deutsche Institutionen und Firmen zogen schnell die Konsequenzen aus dem schweren Erdbeben und den katastrophalen Folgen und haben ihre Mitglieder oder Mitarbeiter vorübergehend beurlaubt, so das Goethe-Institut in Tokio, die Japanisch-Deutsche Gesellschaft (JDG) und auch Firmen wie Siemens, BMW und viele andere.

Unterdessen schmiedet Enrico Blischke schon Pläne für die Tage nach seiner Rückkehr ins japanische Heim in Sagamiko - etwa 60 Kilometer westlich von Tokio gelegen: Er will beim Aufbau helfen. "Ich versuche, zu einer Baufirma zu wechseln, die am Wiederaufbau beteiligt ist, die brauchen da schon bald jede helfende Hand."

Doch zuvor bittet er auf Facebook erst einmal um Hilfe von außen: "Die Leute im Norden Japans haben kaum noch Kraftstoffe zum Heizen. Auch Lebensmittel, Wasser, Strom, Babywindeln, Hygieneartikel und noch vieles mehr werden gebraucht." Offensiv wendet er sich an seine Freunde in der ganzen Welt: "Wenn Ihr kein Geld spenden könnt, dann bringt Kleidung, Babywindeln, Decken und so weiter zu den Sammelstellen!!!"

Doch jetzt schaut der Mann erst einmal wieder wie gebannt auf den Fernseher und saugt die Informationen über die neuen Ereignisse in Fukushima förmlich auf. Er schaut Japan TV und wartet "nun hoffend ab, dass es nicht schlimmer wird".

Erleichtert ist er über die guten Nachrichten, dass viele Freunde und Verwandte ebenfalls aus Tokio weg sind. Einige von ihnen sind gestern sogar schon mit dem Flieger in Deutschland angekommen. 

 

(Quelle Freies Wort)

 

 

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Veröffentlicht in Japan-Erdbeben - Tsunami & mehr

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